deine Bestimmung nach der schamanischen Andentradition

Kennst du diese Menschen, die ihre Bestimmung gefunden haben? Das, was sie machen, passt einfach perfekt zu ihnen. Alles, was mit ihrer Tätigkeit zu tun hat, fällt ihnen leicht, und auch, wenn ihr Weg nicht ohne Stolpersteine ist, strahlen sie einen hohen Grad an Zufriedenheit aus.

Und dann gibt es die Menschen, die bei dem Wort „Bestimmung“ neblig im Kopf werden. Menschen, die schon lange ihre Bestimmung suchen, aber immer noch nicht fündig geworden sind. Oder Menschen, die so Vieles spannend finden, dass sie sich einfach nicht festlegen können.

„Bestimmung“ ist eines der zentralen Themen in der schamanischen Andentradition. Was genau es damit auf sich hat und wie sich deine Perspektive darauf durch das Urwissen der Anden verändern kann, das erzähle ich dir in diesem Blogartikel.

Eine Frau mit Pferdeschwanz hält sich den schmerzenden Kopf.

das Suchen unserer Bestimmung

Vier Mal ist der Blitz in den peruanischen Jungen eingeschlagen. Das hat seiner Familie eindeutig gezeigt: Er ist zum Heiler bestimmt. Diese oder ähnliche kulturell verankerten Deutungen waren früher nicht unüblich und es gibt sie noch heute - der Mensch erhält seine Bestimmung von Außen, ob von einer göttlichen Macht, den Eltern oder der Gemeinschaft. Das klingt auf eine Art herrlich einfach, war und ist aber nicht immer unkompliziert - denn die äußere Stimme musste immer noch mit der inneren abgeglichen werden.

Ähnlich anspruchsvoll verhält es mit der Bestimmung, wenn der Mensch sie selber finden „muss“. Eine Variante, die heute weit verbreitet ist. Vielen von uns liegt die Welt zu Füssen, und wir dürfen uns ausprobieren ohne Ende. Das ist ein großes Geschenk, aber manchmal auch ein Fluch - dann nämlich, wenn wir trotz Ausprobieren und in uns Hören einfach nicht herausfinden, was „Klick“ in uns macht und was sich mit unseren stärksten Fähigkeiten und Neigungen auf kongeniale Art verbindet.

Da kann es ziemlich stressen, Büchern und Seminaren zu „Finde deine Bestimmung“ zu begegnen. Und derer gibt es viele, denn „Bestimmung“ liegt im Trend.

Auch in der schamanischen Andentradition geht es um unsere Bestimmung, aber ich finde, auf eine Art, die entspannt und nicht stresst. Denn sie bietet uns ungewöhnliche Perspektiven auf dieses Thema, so dass sich unser Blick weitet und wir erkennen können, dass wir vielfältige Möglichkeiten haben, unsere Bestimmung zu finden und zu leben.

sich spirituell weiterentwickeln, die Urwunde heilen

Nach der Andentradition besteht eine zentrale Bestimmung von uns darin, uns spirituell weiterzuentwickeln und unsere Urwunden zu heilen. Damit löst sie das Thema aus dem rein beruflichen Zusammenhang.

Für uns Menschen der westlichen Gesellschaft ein „Mind-Blower“. Wir stellen ja oft Beruf und Karriere ins Zentrum unserer Seins. Nicht umsonst steckt in dem Wort „Beruf“ das Wort „Ruf“ oder „rufen“. Was wir machen und wofür wir uns im besten Fall berufen fühlen, hat einen teilweise berechtigten, teilweise überzogenen Stellenwert bei uns.

Wie neu ist da (immer noch) der Gedanke, dass wir nicht in erster Linie auf dieser Welt sind, um unser Brot zu verdienen. Es ist ein wichtiger Teil, auf jeden Fall, aber in Hinblick auf unsere Seelenreise kann es ebenso wichtig sein, uns unserer Heilung und inneren Entwicklung zu widmen.

Wie entlastend kann diese Perspektive für all diejenigen sein, die sich gerade in einer Lebensphase befinden, in der ihre Seele ganz viel Aufmerksamkeit fordert. Und die deshalb krankgeschrieben sind oder beruflich nicht das leisten können, was ihr Umfeld und sie selber von sich gewohnt sind.

Wie wunderbar wäre es, wenn diese Menschen sich nicht schlecht oder „anders“ fühlen würden, sondern ihnen bewusst wäre, dass sie eine sehr wertvolle Arbeit für sich, ihre Partner:innen und Familien bis hin zu ihren Ahn:innen und Kindeskindern leisten. Und dass jede Träne, jeder durchlebter Schmerz und jede heilende Erkenntnis eine Rieseninvestition in ihr eigenes Seelenheil, aber auch in das Miteinander und in unsere menschliche Weiterentwicklung ist.

weinende Augen in Nahaufnahme und zwei menschliche Silhouetten

Nicht zuletzt - wie gewinnbringend wäre es für unsere Gesellschaft, wenn wir nicht Burn Outs oder körperliche Beschwerden „vorschieben“ müssten, um uns krankschreiben zu lassen und Zeit für uns zu haben. Wenn wir zumindest ein Bewusstsein dafür hätten, dass es normal ist, dass unsere Seele manchmal all unsere Kraft, Zeit und Liebe braucht, um zu heilen und sich weiterzuentwickeln.

Erdenhüter:in sein

Eine weitere Perspektive der schamanischen Andentradition ist es, dass wir unsere Bestimmung darin finden können, Erdenhüter:in zu sein. Erdenhüter:innen sorgen für das Wohlergehen von Mutter Erde - ob durch Rituale, Netzwerken oder den täglichen achtsamen Umgang mit unseren Ressourcen. Dass ist eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe, die Zeit, Energie und Liebe erfordert.

Es gibt Initiationen, durch die wir zu Erdenhüter:innen geweiht werden können - aber wir können uns auch durch unsere eigene Heilarbeit dorthin entwickeln. Für mich ist das eine der geheimnisvollen und magischen Zusammenhänge, die sich auf dem Heilweg der Anden ergeben, und die rein mit dem Verstand nicht zu erfassen sind. Aber wenn frau und man die grossartige Heilkraft der Natur erfährt und mit allen Sinnen begreift, dass wir ohne sie keine Sekunde leben und überleben könnten, dann entwickeln wir den tiefen Wunsch, auch für sie da zu sein.

Eine Frau mit langen Haaren und geschlossenen Augen umfasst liebevoll die Erdkugel

Natürlich kann dies auch beruflich motivieren - muss es aber nicht. Es gibt tausendfache Möglichkeiten, zum Wohle von Mutter Natur zu handeln - vom ersten Bissen, den wir am Morgen tun, bis zur letzten Strecke, die wir abends zurücklegen.

Lebe ein schönes, harmonisches Leben

Und noch eine dritte Perspektive auf das Thema „Bestimmung“ gibt es, die sich nicht auf das Berufliche fokussiert. Was wäre, wenn es deine Bestimmung wäre, ein schönes, harmonisches Leben zu leben?

Klingt das in Anblick auf die Anforderungen des Lebens und den Zustand der Welt vielleicht zu niedlich? Klingt es sogar egoistisch?

„Sumaq Kawsay“ nennt sich diese Lebenshaltung in der alten Sprache der Anden, dem Quechua. Und sie ist keineswegs niedlich oder egoistisch. Denn hinter „Sumaq Kawsay“ verbirgt sich das Ziel, das eigene Fühlen, Denken, Sprechen und Handeln zu harmonisieren, und mit sich, seinen Mitmenschen und Mutter Natur in Einklang zu leben.

Eine Figur aus einem Kreis, einem Herzen und einer unendlichen Acht

Wowwww! Wenn frau mal anfängt darauf zu achten, wie oft wir das genau nicht tun - wir denken das eine, sagen aber das andere - oder wir fühlen etwas, handeln aber nicht danach -, dann ahnen wir, dass „Sumaq Kawsay“ eine wirkliche Lebensaufgabe sein kann. Eine Lebensaufgabe oder Bestimmung, die sich über das Private hinaus auf unser gemeinschaftliches Miteinander erstreckt. Was wäre, wenn immer mehr Menschen ihr Fühlen, Denken, Sprechen und Handeln harmonisieren würden? Wie sähe es in unserer Gesellschaft aus, wenn wir in Ein-Klang miteinander leben würden? Durchaus also keine egoistische Bestimmung, im Gegenteil. Aber sie fängt im Kleinen, beim Einzelnen an und strahlt von dort aus.

Alles ist miteinander verbunden

Dies also drei Perspektiven auf das Thema „Bestimmung“. Müsstest du dich für eine von ihnen entscheiden? Du ahnst es vielleicht - nein, in keiner Weise! Diese Perspektiven lassen sich wunderbar miteinander vereinen. Oder anders gesagt - sie sind aufs Engste miteinander verwoben. Dass aus deiner Heilarbeit das Bedürfnis, eine Erdenhüterin, ein Erdenhüter zu sein, erwachsen kann, habe ich schon beschrieben. Aber auch „Sumaq Kawsay“ kann daraus erwachsen. Denn schwere Energie entsteht oft da in uns, wo unser Fühlen, Denken, Sprechen und Handeln nicht in Harmonie miteinander sind. Wenn wir dafür ein Gespür entwickeln, dann entwickelt sich auch ganz organisch der Wunsch in uns, all dies miteinander zu harmonisieren.

zwei geöffnete Hände, aus denen Sonnen, Blumen und die Erdkugel erwachsen

Ausgangspunkt für ein sinnhaftes Tun

Zurück zum Anfang. Ich habe dir beschrieben, dass all diese Perspektiven dir Möglichkeiten aufzeigen, wie du dich verwirklichen kannst, jenseits der oft zentralen und einzigen Frage nach der beruflichen Bestimmung. Aber jetzt wird es nochmal spannend - all das kann auch dazu führen, dass du dich beruflich neu ausrichtest und dein Tun möglichst sinnhaft gestalten möchtest.

Was kann ich mir für ein berufliches Umfeld schaffen, damit ich ausreichend Raum für meine Heilarbeit und innere Entwicklung habe?

Was für Tätigkeiten gibt es, in denen ich mich als Erdenhüter:in verwirklichen kann?

Wie kann ich mich durch eine Haltung von „Sumaq Kawsay“ auch im Beruf authentisch verhalten?

Solche Fragen beschäftigen dich dann und die Antworten darauf, die du findest, sind immer auch Antwort darauf, wozu du auf dieser Welt bist. Denn das ist deine Bestimmung ja im Grunde: deine Antwort darauf, wozu du auf dieser Welt bist. Und diese Antwort muss nicht die eine, ewig festgelegte sein, sondern sie darf viele Facetten haben und sich in deinem täglichen Sein UND Tun offenbaren.

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