Heile deine Urwunden

Wir sind in diesem Leben dazu bestimmt, unsere Urwunden zu heilen. Das lehrt uns die schamanische Andentradition.

Das klingt groß, das klingt bedeutsam, UND das klingt ein bisschen verrückt.

Sind wir nicht dazu bestimmt, unser Brot zu verdienen, Häuser zu bauen und Kinder großzuziehen?

Müssen wir darüber hinaus nicht unseren Teil zur Gesellschaft beitragen, und sollten wir nicht all unsere Energie darin hineinfließen lassen?

Ist die Bestimmung, Urwunden zu heilen, also nicht nur verrückt, sondern auch ganz schön egoistisch?

Ich erzähle dir in diesem Blogartikel, was es mit dieser Bestimmung auf sich hat, und warum es weder verrückt noch egoistisch ist, sie zu leben. Komm mit und begleite mich zu einem der wichtigsten Themen der schamanischen Andenkosmologie.

Was sind unsere Urwunden?

Nach Perspektive der Andenkosmologie sind wir nicht nur auf der Welt, um zu arbeiten und unsere Pflichten zu erfüllen, sondern auch und gerade, um unsere Urwunden zu heilen.

Aber erst einmal - was genau sind diese Urwunden?

In unseren Urwunden verbergen sich die zentralen schmerzhaften Themen, die wir aus früheren Leben, aus unserer Ahn:innenlinie und von unseren Eltern mit in dieses Leben tragen. Und es sind die schmerzhaften Themen, die sich in unserer Kindheit und Jugend manifestieren. In unseren Urwunden zeigen sich auch die Ur-Themen der Menschen wie Missbrauch, das Gefühl von Verlassenheit, das Gefühl, nicht gut genug zu sein, und das Gefühl, getrennt vom Göttlichen zu sein.

Nun ist es nicht so, dass wir unzählige dieser Urwunden in uns tragen - es kann eine sein, es kann eine Handvoll sein -, aber sie zu finden und dann zu heilen, das kann Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe erfordern.

Denn oft zeigen sie sich in unterschiedlichen Facetten. Es kann beispielsweise sein, dass du beruflich nicht so erfolgreich bist, wie du es dir wünscht, und sich dahinter deine Angst, dich unperfekt zu zeigen, steckt. Und dahinter kann wieder deine Ur-Sehnsucht stecken, von deiner Mutter geliebt zu werden. Ein bisschen wie bei den Matroschkas, den hohlen Holzpuppen, bei denen sich in einer großen Holzpuppe eine kleinere verbirgt und darin eine noch kleinere und darin eine ganz kleine… So kann es dauern, bis du das Thema hinter dem Thema entdeckst.

Meine grösste Urwunde war beispielsweise ein fehlendes Urvertrauen. Es war ein echtes Abenteuer, bis ich dies zu fassen bekam, und ich musste diesem Ur-Thema wiederholt und in unterschiedlichen Lebensbereichen begegnen, bis es „Klick“ in mir machte und ich losgelöst von den Inhalten die schwere Energie in mir spüren konnte, mit der sich meine Urwunde in mir manifestierte.

Was uns für unseren Heilungsprozess motivieren kann

Hast du deine Urwunden entdeckt, kannst du damit beginnen, sie zu heilen. Das ist oft ein längerer Prozess über Monate oder Jahre. Auch wenn sich manchmal erstaunlich viel lösen lässt mit nur einem Ritual, so brauchen wir doch unsere Zeit und unsere Prozesse, ein schmerzhaftes Ur-Thema in unser Bewusstsein zu holen und zu heilen.

Aber - und jetzt knüpfe ich wieder am Anfang an -, warum sollten wir diese Anstrengung auf uns nehmen?

Auf einer Ebene stellt sich diese Frage gar nicht. Denn die größte Motivation ist das unmittelbare Leiden, das aus einer Urwunde entstehen kann und das uns - früher oder später - in den Heilungsprozess treibt.

Doch es kann unsere Motivation verstärken, wenn wir uns klar machen, dass unsere Urwunden einen massiv negativen Einfluss auf unser Leben und unser Wohlergehen haben können.

Beispiele dafür können sein:

  • finanzielle Blockaden

  • Insolvenzen

  • ungewollte Kinderlosigkeit

  • Gewalt gegen unsere Liebsten

  • Depressionen

  • Libidoverlust

  • Blockaden, unsere Visionen zu leben

  • Einsamkeit

  • Erbstreit

  • Familienzerwürfnisse

Eine Investition in unser Leben

Und so ist es eben nicht verrückt oder egoistisch, wenn wir uns unserer Heilarbeit widmen, da wir mit ihr direkt in unser Leben investieren. Wir können mit ihr direkt und indirekt Einfluss darauf nehmen, wie wir unser Brot verdienen, Häuser bauen und Kinder grossziehen. Wir können durch sie unseren Teil in der Gesellschaft auf noch erfüllendere Art und Weise beitragen.

Mehr noch: Wir können mit unserer Heilarbeit beeinflussen, wie unsere Kinder und Kindeskinder ihr Brot verdienen, Häuser bauen und ihre Kinder großziehen! Denn wenn wir unsere Urwunden heilen, sorgen wir auch dafür, dass wir sie nicht an die nächsten Generationen weitergeben.

Das Privileg unserer Zeit - Zeit für Heilung

Das ist ziemlich groß, und es ist das Privileg unserer Zeit. Die Generationen vor uns waren lange Strecken damit beschäftigt, zu überleben und ihren Alltag zu managen. Themen wie Selbstfindung, Selbstliebe und -fürsorge gab es kaum.

Auch deshalb sehen die Heilerinnen und Heiler der schamanischen Andentradition die Bestimmung unserer Generationen darin, die zum Teil uralten schweren Energien in uns aufzulösen und Themen, die teilweise schon unsere Eltern, Grosseltern und Urgrosseltern belastet haben, zu beenden.

Wie du deinen Urwunden auf die Spur kommst

Ich gebe dir hier ein Beispiel, wie du deinen Urwunden auf die Spur kommen kannst.

Geh in die Natur. Eröffne dort den Heiligen Raum, in dem du die kosmischen Kräfte anrufst und darum bittest, dass du Hinweise auf deine Urwunden findest. Setze diese Intention und lasse dann los.

Dann laufe los und frage dich, welches die drei größten Themen sind, die dich in deinem Leben belasten. Halte dabei Ausschau nach drei Steinen, die diese drei Themen symbolisieren (ein Stein steht jeweils für ein Thema).

Wenn du diese Steine gefunden hast, suche dir einen ruhigen Platz, an dem du aus Naturmaterial einen großen Kreis legen kannst. Nimm Zweige oder langes Gras dafür; wenn du an einem Strand bist, kannst du einen Kreis im Sand ziehen. Lege die drei Steine in die Mitte deines Kreises.

Nun frage dich, was dich daran hindert, dass diese drei Themen sich in deinem Leben auflösen.

Suche dafür weitere Steine oder anderes Naturmaterial (Beeren, Blätter, Zweige, Muscheln…) und ordne dies in den Kreis.

Dann frage dich, was du bräuchtest, damit sich diese drei Themen auflösen, und suche auch dafür Steine oder Naturmaterial. Ordne auch dies in dem Kreis an.

Lass das Bild auf dich wirken und schaue dann, ob du die drei Themensteine, die du zuerst gelegt hast, nochmal neu anordnen möchtest, ebenso die anderen Elemente, die du in den Kreis gelegt hast.

Dann löse das Naturbild auf und bedanke dich bei den kosmischen Kräften.

Zu Hause kannst du dann zu folgenden Fragen schreiben:

  • Waren dir deine drei Themen bekannt oder hast du etwas Überraschendes erfahren?

  • Blockiert dich das, was dich am Auflösen deiner drei Themen hindert, noch auf andere Weise?

  • Welche Gefühle blockieren dich dabei, deine drei Themen aufzulösen?

  • Sind dir diese Gefühle bekannt?

  • Wann hast du diese Gefühle zum ersten Mal gefühlt?

  • Was bräuchtest du, um deine drei Themen aufzulösen?

Letzteres kannst du noch einmal gesondert aufschreiben und auf deinen Altar oder an einen besonderen Platz legen. Diese Begriffe können dir als Vision dienen. Sie sind das, was du in dir selber kultivieren kannst, um dich zu heilen und dich von deinen belastenden Themen zu verabschieden.

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deine Bestimmung nach der schamanischen Andentradition